Ich male und schreibe. Das klingt nach einer Behauptung, die man in Künstlerbiografien oft findet, meistens begleitet von Pathos oder einer schlecht beleuchteten Schwarzweißfotografie. In meinem Fall ist es eher ein Nebenprodukt der Zeit, eine Art stiller Widerstand gegen Leerlauf.
Ich bin kein Künstler. Zumindest nicht im religiösen Sinn, in dem man an Talent glauben muss wie an eine unsichtbare Ordnung. Ich habe keine Berufung gespürt, keinen inneren Zwang, der mich nachts aus dem Bett treibt, um Linien zu ziehen oder Sätze zu retten. Ich habe einfach angefangen und nicht aufgehört.
Das Schreiben kam durch das Lesen. Es war keine bewusste Entscheidung, eher ein schleichender Effekt, wie Nikotin im Blut. In der Bibliothek meiner Mutter standen Bücher, die für mich zu groß waren, im intellektuellen wie im physischen Sinne. Ich habe sie trotzdem gelesen. Vieles blieb unverständlich, aber vielleicht ist genau das der Punkt: Man liest sich nicht in die Klarheit hinein, sondern in eine Art produktive Verwirrung. Dort beginnt etwas Eigenes.
Beim Malen war es einfacher und zugleich ernüchternder. Ein Kunstmaler und Restaurator, ein Mann mit sicherem Blick und wahrscheinlich zu viel Erfahrung, erklärte mir nüchtern, dass ich kein Talent habe. Es war keine Beleidigung, eher eine Diagnose. Ich habe sie akzeptiert, aber nicht ernst genommen. Talent ist eine ökonomische Kategorie. Freude nicht.
Ich habe mich an den alten Meistern orientiert, aus der Distanz, wie jemand, der durch das Schaufenster eines luxuriösen Geschäfts blickt. Ich habe ihre Techniken studiert, ihre Kompositionen, ihre Geduld. Ich konnte sie nicht erreichen. Also habe ich mir erlaubt, einen einfacheren Weg zu gehen. Einen bequemeren vielleicht. Aber auch einen freieren.
Was ich mache, gefällt mir manchmal. Das reicht. Es gibt Tage, da wirken die Bilder wie zufällige Ansammlungen von Farbe, und die Texte wie das Protokoll eines inneren Leerlaufs. Und dann gibt es Momente, in denen beides für einen kurzen Augenblick eine Form annimmt, die man fast Bedeutung nennen könnte.
Ich arbeite ohne Schule, ohne Programm, ohne den Ehrgeiz, irgendwo anzukommen. Vielleicht ist das der eigentliche Kern meiner Tätigkeit: eine konsequente Bewegung ohne Ziel. Ein Spiel mit Mitteln, die nie ganz ausreichen.
Und trotzdem mache ich weiter. Nicht aus Hoffnung, sondern aus Gewohnheit. Und aus einer leisen, hartnäckigen Freude, die sich jeder Bewertung entzieht.